55# Ehrlichkeit

Heute, zum 55# Beitragsjubiläum schreib ich einen Blogeintrag, kein Gedicht oder tiefgründige Zeilen.
Heute möchte ich euch erzählen, warum es in letzter Zeit hier so ruhig geworden ist.

Ich bin depressiv.

So, jetzt ist es raus. Die Entscheidung das öffentlich zu schreiben, auch wenn es nur dieser kleinen unscheinbare Blog ist, die ist mir nicht leicht gefallen. Denn eigentlich wollte ich mit dem Blog über all das Schöne, Positive, Ergreifende, Magische und Wundersame schreiben, das ich in meinem Leben erfahren darf. Doch, wenn ich depressiv bin, dann ist es nicht so einfach…

Wenn das Positivste meines Tage ist, dass ich es aus der Wohnung geschafft hab, um meinen Bruder vom Bahnhof abzuholen. Dann ist das für andere Leute nicht besonders ergreifend.
Doch für mich war es ein riesen Schritt.. heute ging es mir grauenhaft, einer der schlimmsten Tage seit langem.

Und ich hab es trotzdem geschafft, mir die gute Hose anzuziehen (raus aus der Jogginghose!), die Autoschlüssel vom riesengroßen Auto meiner Eltern zu schnappen (seit ich letztes Jahr mit der rechten Seite den Brückenpfeiler geküsst hab, fahr ich damit echt nicht mehr gerne!! – meine Eltern waren übrigens zu Hause, aber ich hab es geschafft ihn selbst abzuholen), aus dem Haus hinauszugehen und mich auf den Bahnhof zu stellen um dort auf ihn zu waren (obwohl die Möglichkeit in dem kleine Dorf hier riesig sind, dass mich jemand anspricht und ich die Frage wie es mir geht momentan nicht ertrage. Die Leute sind mit einer ehrlichen Antwort sowieso total überfordert, wieso fragen sie denn dann überhaupt? Ja ich weiß schon, Gesellschaftliche Norm, richtiges Sozialverhalten um im der Gemeinschaft akzeptiert zu werden, das macht man so eben..)

Ihr seht schon, es war nicht einfach nur, meinen Bruder vom Bahnhof abholen. Ich hatte das Gefühl, ich muss es mit der ganzen Welt aufnehmen, wenn ich einen Schritt vor die Haustür setze.

Ich hab es trotzdem geschafft!!!!
Er hat sich total gefreut!!!

Wenn ihr euch fragt, wie lang es mir schon so geht… naja.. Jahre…. Aber so schlimm wie jetzt ist es erst seit April und seit Juli geht wirklich gar nichts mehr.
Ich hab so viel darüber nachgedacht, wie das passieren konnte. Wie ich in dieser Situation landen konnte und warum mir das passiert ist.
Zum Einen haben wir auf jeden Fall eine Disposition dafür in der Familie.
Zum Anderen hab ich seit meinem Studium 2013 und danach als Volksschullehrerin viel, wirklich sehr viel gearbeitet…. wie ein Workaholic ohne Pausen, Ferien, Wochenenden, Freunde, Freizeit, Essen und Schlaf immer weiter, bis in den Sommerferien dann die totale Erschöpfung, die depressive Phase gefolgt ist. Und das jedes Jahr auf’s neue… Immer und immer wieder.. und dazu bin ich mehr und mehr vereinsamt..

Jetzt ist erst Mal Schluss mit dem Teufelskreis: Burnout. Erschöpfungsdepression.

Wenn man so wie ich die Extreme ausreizt, anscheinend nicht verwunderlich. Ich hab das Ganze bis in die Spitze getrieben, mit meinem Körper „Schindluder“ betrieben und jetzt steh ich da. Arbeitsunfähig seit Monaten, an einem totalen Tiefpunkt…
Wie soll das nur jemals besser werden?

Und plötzlich geht es nicht mehr darum, wunderschöne Tage zu erleben, sondern vielleicht ein wenig weniger schwere Tage…
Plötzlich geht es darum genug zu essen, zu trinken, zu schlafen, die Wohnung einmal am Tag auch wirklich zu verlassen, mich zu bewegen, wenn ich in der Lage dazu bin und  unbedingt mit echte Menschen Kontakt zu pflegen.
Und das ist genug!

Wie soll das nur besser werden? Genau darüber werde ich in Zukunft hier schreiben! Wann immer es mir möglich ist, weil versprechen kann ich momentan nix.
Aber es tut gut, irgendwo im Universum meine Gedanken zu deponieren und zu hoffen, dass sie vielleicht doch irgendwann jemandem etwas Trost spenden können:

Ehrlich und sensibel – damit ich mir selbst immer wieder aufs Neue eingestehe, dass es so nicht weiter gehen kann.
Echt und authentisch – weil alle Gefühle gefühlt werden wollen und Raum brauchen: von Wut und Aggression bis Hals über Kopf verliebt.
Gütig und herzlich – weil mich Härte und Strenge gegen mich selbst überhaupt erst an diesen Punkt gebracht haben.
Fürsorglich und liebevoll – weil das Gegenteil von Angst immer Liebe ist.

Und das Gegenteil von Depression ist LEBEN

Eure Traumtänzerin ✨

Ich war draußen. Dieser Spaziergang ist zwar schon ein paar Wochen her, aber ich war draußen ❤️

Ein Gedanke zu “55# Ehrlichkeit

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